ROSENVILLA#

Ischl
Rosenvilla

Landtags Vizepräsident Schröpfer erhielt die folgenden Zeilen:

Bad Ischl, Esplanade 6, ist ein altes Patrizierhaus. Im Garten, der zu dem Haus gehört, ist eine kleine Villa verborgen. Eigentlich ist es keine Villa, sondern nur ein kleiner Bungalow mit drei Zimmern. Und vor diesem Häuschen ist ein schöner Rosengarten mit Tausenden von Heckenrosen, eine Mauer von Rosen mit kleinen, alten Skulpturen. Unzählige rote und rosa Rosen blühen hier, jedes Jahr – die Natur schenkt ihre Rosenblüte unbekümmert um Krieg oder Frieden..

Dieses kleine Haus ist das Musiker Haus von Ischl. Der erste Musiker, der es bewohnte war Giacomo Meyerbeer, der seine Oper „Der Prophet“ dort geschrieben hat. Dann beherbergte das Häuschen Johannes Brahms eine Zeit lang; nach ihm sah es Joseph Joachim, den berühmten Geiger, als seinen Gast, und später war es Franz Lehar der mehrere Sommerferien in diesem Idyll verbrachte.

Im Sommer 1913 traf ich meinen Freund Lehar in Ischl und erzählte ihm, wie lieb ich die Ischler Gegend gewonnen hatte. „Warum nimmst du dir hier keine Sommerwohnung, wenn es dir so gut gefällt?“ fragte er mich. „Ja, ich möchte schon etwas mieten, wenn du mir einen Rat geben könntest“ „Nimm die kleine Villa, die ich in den letzten Jahren hatte. Es ist ein reizendes Häuschen, hat drei Zimmer, und drei Eingänge. Ich habe im letzten Sommer „Fürstenkind“, den „Grafen von Luxemburg“ und „Zigeunerliebe“ da geschrieben.

So hatte ich die kleine Villa gemietet und bin wieder und wieder dahin zurückgekehrt. Drei wundervolle Sommer habe ich da verbracht; in jedes Zimmer hatte ich ein Klavier gestellt, und an Regentagen konnte ich fleißig arbeiten.

Komponist
Emmerich Kalman
Komponist
Franz Lehar

Die Operetten „Czardasfürstin“ und „Faschingsfee“ habe ich in der Rosenvilla geschrieben, und viele Skizzen sind dort entstanden von Musik, die später die Reise um die Welt antreten durfte.

Ich will auch nicht auslassen, dass Kaiser Franz Joseph als Kind, als kleiner Erzherzog auch einmal in der Rosenvilla gelebt hat.

Das kleine Häuschen war nicht gekellert, sonst hätte ich wohl viele, viele und nicht nur drei Sommer dort zugebracht.

Auch nach mir hat es eine Reihe von Musikern dort hingezogen, darunter Baron Ludwig von Doczi und Julius Bittner, die den Duft und die Behaglichkeit der Rosenvilla tief genossen.

Meine Erinnerung an die schönen drei Sommer inmitten der Rosen bleibt verbunden mit dem dankbaren Andenken an meinen Freund Franz Lehar, der mir dies verborgene Idyll erschloss.

New York, im Mai 1948, Emmerich Kalman

QUELLE: Oberösterreichische Nachrichten ÖNB, Bildmaterial I.Ch. Graupp

HINWEIS: 182 Kalman Villa

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