Neujahrstag#
Seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert war der 1. Jänner Jahresbeginn in Rom, 1691 legte ihn auch Papst Innozenz XII. als Neujahrstag fest. Zuvor hielten sich die Christen an andere Jahresanfänge. Noch immer beginnt das Kirchenjahr am 1. Adventsonntag und anstelle des bürgerlichen Neujahrs steht das Hochfest der Gottesmutter Maria im liturgischen Kalendarium. Die Ablehnung hat Tradition: Die Römer feierten um diese Zeit das Fest des doppelgesichtigen Gottes Janus. Die frühe Kirche rief zur Buße auf, zelebrierte Messen "zum Fernhalten vom Götzendienst" (ad prohibendum ad idolis) und legte später ein Marienfest auf den Oktavtag von Weihnachten.
Zum Jahresbeginn hofft(e) man auf ein gutes Omen. "Wie der Anfang so das Ganze," lautet das mehr oder minder ausgesprochene Motto, das schon die Römer kannten: Gut essen, Geld oder Geschenke bekommen, sich schön anziehen, fröhlich sein und es sich gut gehen lassen. Zeichen dafür sind die Glückssymbole, die man einander zu Silvester schenkt. Orakelhafte Bedeutung sprach man dem "Angang" zu. Je nachdem wer einem als erster begegnete, wurde dies als künftiges Glück (Kind) oder Unglück (Nonne, Greis) gedeutet.
Bis heute ist das "Neujahrsbaby" den Tageszeitungen Schlagzeilen wert. 22.000 Österreicherinnen und Österreicher haben am 1. Jänner Geburtstag. Früher glaubte man, wenn der 1. Jänner auf einen Sonntag fiel, die an diesem Tag Geborenen Macht über Geister und Schätze hätten. 2022 um 0.00 Uhr erblickte Ariz in Möfling das Licht der Welt. Wenige Minuten später folgten Lara in Wien-Favoriten und Andreas in Feldbach (Steiermark).
Neujahrswünsche wurden persönlich entboten oder als Postkarten verschickt. Im Salzburgischen wünschte man einander "An Fried, an Reim und an Gsund." (Friede, Glück und Gesundheit). Allgemein erwarteten Gratulanten eine kleine Gegengabe für ihre guten Wünsche. Wiener, bei denen sich zu viele Gratulanten einstellten, suchten dies durch Enthebungskartenzu verhindern. Im Biedermeier galten die Wiener Kunstbilletts,Glückwunschkarten und Neujahrsbriefe als besonders elegant.
Ein weltweiter Brauch aus Wien ist das Neujahrskonzert aus dem Goldenen Saal des Musikvereins. Es fand erstmals 1939 statt, wird seit 1959 vom ORF-Fernsehen übertragen, seit 1969 in Farbe. 50 Millionen Zuschauer in 90 Ländern verfolgen die Live-Sendung. Zu den traditionellen Zugaben zählen der Donauwalzer und der Radetzkymarsch von Johann Strauß. Besonders beliebt sind die Zuspielungen der Balletteinlagen aus historischen Gebäuden. Der Schmuck für das Neujahrskonzert - rund 30.000 Blumen - war von 1980 bis 2013 ein Geschenk der italienischen Stadt Sanremo. 2014 stellten die Wiener Philharmonikern die Blumen selbst zur Verfügung. Seit 2015 erfolgt die Dekoration in Zusammenarbeit von Floristen und den Wiener Stadtgärten. 2022 dirigierte Daniel Barenboim sein drittes Neujahrskonzert. 2023 soll Franz Welser-Möst im Einsatz sein.
Quellen:
Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Freiburg/Br. 1979. S.188, 195
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 195
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 57 f.
Wiener Philharmoniker
Neujahrskonzert 2021, publiziert 3.12.2020
Bild: Glückwunschbrief zum neuen Jahr. Wien 19. Jahrhundert. Gemeinfrei
Siehe auch: